Auftragseingang der Industrie: Die Arbeit reicht für fast acht Monate
Einordnung
Die Industrie hat 2025 mehr Bestellungen hereingeholt als im Jahr davor und trotzdem weniger hergestellt. In einer Wirtschaft, die kaum wächst, sind volle Auftragsbücher eine Reserve; zum Aufschwung werden sie erst, wenn die Fabriken sie abarbeiten.
Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 101,4 Indexpunkten, Basisjahr 2021 (Statistisches Bundesamt, Tabelle 42151-0001, Stand 14.10.2026).
Geprüft am 16.10.2026, 1 BeanstandungStatistisches Bundesamt, Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe (42151)·Datenstand 14.10.2026 / 10:38:29
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101,4Indexpunkte (2021=100), Auftragseingang der Industrie 2025▲ +3,5 % zu 2024
105,6Höchststand 2022▼ −4,0 % bis heute
89,6August 2026, aktueller Rand▲ +7,6 % zum Vorjahresmonat
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Eine Bestellung ist eine Unterschrift unter einen Vertrag, die Maschine dazu verlässt das Werk oft erst viele Monate später. Zwischen beidem hat sich in der deutschen Industrie ein Stau gebildet. Rechnerisch hatten die Betriebe 2025 Arbeit für 7,9 Monate in den Büchern, mehr als in jedem Jahr seit Beginn der Reihe 2016 (Tabelle 42113-0001). Wer den Auftragseingang liest, liest die Zukunft der Fabriken, und ihre Gegenwart kann davon weit entfernt sein.
Der Auftragseingang selbst, gemessen als Wertindex auf dem Basisjahr 2021, beginnt 1991 bei 44,6 Punkten und hat sich seither mehr als verdoppelt, unterbrochen von mehreren Einbrüchen, dem tiefsten 2009 in der Weltfinanzkrise; auch 1993 und 2020, im ersten Pandemiejahr, fiel er deutlich. Auf das Hoch von 2022 folgten zwei schwächere Jahre. 2025 lag der Index wieder über dem Basisjahr, den Stand von 2022 hat er nicht erreicht (Tabelle 42151-0001).
Ob volle Bücher Reserve oder Engpass sind, zeigen erst die Monate.
Auftragseingang der Industrie in Deutschland, 1991 bis 2025Indexpunkte (2021=100) je JahrQuelle: Statistisches Bundesamt, Tabelle 42151-0001, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
Bereinigt liegen die Bestellungen 2026 in jedem Monat über dem Vorjahr
Der Auftragseingang ist keine ruhige Größe. Ein Großauftrag für Flugzeuge, Schiffe oder Rüstungsgüter schlägt in einem einzigen Monat durch, und der Jahresdurchschnitt glättet genau das weg. Die Monatsreihe des Wertindex reicht bis Januar 1991 zurück. Ihren tiefsten Wert hatte sie im August 1993 mit 35,4 Punkten, ihren höchsten im März 2026 mit 122,6 (Tabelle 42151-0001). Auch Juni, Juli und August 2026 lagen über den Monaten des Vorjahres. Die Werte sind Originalwerte, der Kalender steckt also noch in ihnen; wer zwei aufeinanderfolgende Monate vergleicht, misst zuerst die Jahreszeit. Der März ist in diesen Werten oft stark, 2022 lag er schon bei 120,4 Punkten. Kalender- und saisonbereinigt lag der Auftragseingang 2026 in jedem Monat bis August über dem Vorjahresmonat (Tabelle 42151-0004).
2026 ist das erste volle Kalenderjahr, seit das Finanzpaket des Bundes gilt. Seit dem 25. März 2025 sind Verteidigungsausgaben oberhalb von 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von der Schuldenbremse ausgenommen, dazu kommt ein Sondervermögen für Infrastruktur von bis zu 500 Milliarden Euro (BMF, Monatsbericht April 2025). Ob die Ausschläge dieses Frühjahrs auf staatliche Aufträge zurückgehen, sagt die Tabelle nicht, sie nennt keinen Auftraggeber.
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Im vollständigen DossierGrafik: Auftragseingang der Industrie je MonatSie gehört zu dem Abschnitt, den Sie eben gelesen haben. Dazu kommen vier weitere Abschnitte.
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Preisbereinigt bleibt vom Zuwachs weniger übrigGrafiken: Auftragseingang preisbereinigt, je Monat · Auftragseingang, kalender- und saisonbereinigt
Im Wert liegen nur die Aufträge aus der Eurozone deutlich über 2021Grafik: Auftragseingang nach Absatzrichtung August 2026
Der Bestand wächst schneller, als die Fabriken ihn abarbeitenGrafiken: Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe, 2015 bis 2025 · Auftragsbestand, je Monat
Reichweite des Auftragsbestands: Für die Beschäftigten ein Polster, für das Wachstum eine VerzögerungGrafik: Reichweite des Auftragsbestands, 2016 bis 2025
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Wie hat sich der Auftragseingang der Industrie im August 2026 entwickelt?
Preisbereinigt lag er über dem August 2025, kalender- und saisonbereinigt aber 10,6 Prozent unter dem Juli 2026. Die Monatswerte schwanken stark, weil einzelne Großaufträge durchschlagen; ein einzelner Monat trägt deshalb selten eine Aussage (Statistisches Bundesamt, Tabelle 42151-0004).
Wie lange reicht der Auftragsbestand der Industrie?
Gerechnet bei gleichbleibender Produktion fast acht Monate; 2022 waren es 7,8, 2023 nur 7,1 Monate (Statistisches Bundesamt, Tabelle 42113-0001).
Was misst der Auftragseingang?
Die Bestellungen, die beim Verarbeitenden Gewerbe eingehen, als Index auf dem Basisjahr 2021. Er läuft der Produktion voraus und gilt deshalb als Frühindikator. 1991, im ersten Jahr der Reihe, stand der Wertindex bei 44,6 Punkten (Statistisches Bundesamt, Tabelle 42151-0001).
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