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Behördendeutsch, übersetzt

Eine amtliche Zahl ist selten verschlossen. Verschlossen ist das Wort daneben. Wer in einer Tabelle des Statistischen Bundesamtes auf „jew. ME“ stößt, hat die Zahl vor sich und weiß trotzdem nicht, ob er Euro oder Indexpunkte liest.

Alles auf statistik-de.de stammt aus GENESIS-Online, derselben Quelle wie destatis.de, unter derselben Lizenz. Wir haben keine Zahl, die das Bundesamt nicht hat. Was dazukommt, ist das Wort neben der Zahl.

Die 41 Begriffe sind nicht ausgedacht. Sie stammen aus einer Auszählung des eigenen Bestands: 89 Kandidaten geprüft, 66 in den eigenen Reihen, Dossierdaten und amtlichen Fußnoten belegt. Aufgenommen sind die, bei denen das amtliche Wort in die Irre führt. „Landkreis“ steht 216-mal im Bestand und braucht trotzdem keine Erklärung. „darunter“ steht zwölfmal und braucht eine.

Was die Zahl ist

jeweilige Maßeinheit (jew. ME)

Die Einheitenspalte nennt keine Einheit, sondern verweist auf eine andere Spalte, in der sie steht.

In der Spalte, die die Einheit nennen soll, steht bei manchen Tabellen ein Verweis statt eines Werts. Bei der Tabelle zum Bruttoinlandsprodukt lautet die zugehörige Fußnote im Original: für „in jeweiligen Preisen“ gilt die Maßeinheit „Mrd. EUR“, für „preisbereinigt, Kettenindex“ gilt „2020=100“. Dieselbe Zahlenspalte enthält also einmal Milliarden Euro und einmal Indexpunkte.

Wer die Fußnote überliest, liest einen Index als Eurobetrag.

in jeweiligen Preisen, preisbereinigt

In jeweiligen Preisen heißt: zum Preis des jeweiligen Jahres. Preisbereinigt heißt: die Preisentwicklung ist herausgerechnet.

Eine Zahl in jeweiligen Preisen steigt auch dann, wenn nur die Preise gestiegen sind. Die preisbereinigte Fassung derselben Größe zeigt, was ohne die Preise übrig bleibt. Beide sind richtig, sie beantworten verschiedene Fragen.

Ein Zusatz, den kaum jemand mitliest: Preisbereinigte, verkettete Werte lassen sich nicht addieren. Bruttowertschöpfung plus Gütersteuern minus Gütersubventionen ergibt das Bruttoinlandsprodukt nur in jeweiligen Preisen. In der verketteten Fassung geht die Rechnung nicht auf, weil jedes Jahr an das Vorjahr angekettet wird.

Der Satz mit der Addition stand in einer ersten Fassung eines unserer eigenen Dossiers falsch und ist vor der Veröffentlichung korrigiert worden. Die Rechnung sah plausibel aus, und sie ging trotzdem nicht auf.

Basisjahr (2020 = 100)

Ein Index misst die Veränderung gegenüber einem gesetzten Jahr. Über das Niveau sagt er nichts.

In unserem Bestand laufen drei Basisjahre nebeneinander: 2020, 2021 und 2025. Beim Wechsel des Basisjahrs rechnet das Bundesamt die ganze Reihe um, die alten Indexpunkte gelten dann nicht mehr.

Daraus folgt die häufigste Falle beim Lesen amtlicher Indizes. Zwei Reihen, die beide auf 2021 = 100 gesetzt sind, dürfen trotzdem nicht in Indexpunkten voneinander abgezogen werden, wenn sie in einem früheren Jahr auf verschiedenem Niveau begonnen haben. Beim Einzelhandelsumsatz starten die nominale und die preisbereinigte Reihe 1994 bei 67,9 und bei 88,0 Punkten. Der Abstand von 18,2 Punkten im Jahr 2025 ist deshalb keine Preisentwicklung. Belastbar ist allein der Vergleich der prozentualen Veränderung gegenüber demselben Ausgangsjahr.

Wie leicht das passiert, zeigt der Umgang damit: Eine fertig geschriebene Pressemitteilung zu dieser Tabelle liegt seit dem 2. September zurückgehalten, weil ihre Zwischenüberschrift zu genau diesem Abzug einlud.

Messzahl

Ein anderes Wort für Index, meist bei Umsatz und Produktion.

Eine Umsatzmesszahl von 118,6 bedeutet: 18,6 Prozent über dem Basisjahr. Das Wort klingt nach einer gemessenen Menge und ist doch eine Verhältniszahl. Wer es als absoluten Wert liest, hält einen Prozentabstand für Euro.

Tsd. EUR, Mill. EUR, 1000 Tonnen

Der Faktor steckt in der Einheit, nicht in der Zahl.

Wer 9.705.344 in der Spalte sieht und darüber „Tsd. EUR“ liest, hat 9,7 Milliarden Euro vor sich. Rechnerisch ist das eindeutig, beim Vorlesen geht es regelmäßig schief: Aus derselben Zahl wurde bei uns im August zweimal „9,7 Millionen Tausend Euro“.

Elf unserer 50 Reihen tragen einen solchen Faktor in der Einheit, vom Holzeinschlag in 1000 Kubikmetern bis zu den Steuereinnahmen in Tsd. Euro.

brutto und netto

Brutto ist vor Abzug, netto danach. Was abgezogen wird, sagt erst die Erhebung.

Die Wörter sind vertraut, ihre Bedeutung wechselt aber mit der Statistik. Bei den Nettoausgaben der Sozialhilfe sind Einnahmen und Erstattungen bereits abgezogen. Bei den Bruttoausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind sie es nicht. Zwei Reihen aus demselben Politikfeld, die sich nicht ohne Weiteres gegeneinander rechnen lassen.

je Einwohner, je 1.000

Eine Bezugsgröße macht Gebiete vergleichbar und bringt eine zweite Zahl ins Spiel.

Übernachtungen je 1.000 Einwohner sagen mehr über eine Region als die nackte Zahl, weil sie Bayern und Bremen vergleichbar machen. Der Preis dafür: Der Wert bewegt sich auch dann, wenn sich nur der Nenner ändert. Ein Kreis mit sinkender Bevölkerung steigt in einer Je-Einwohner-Rangfolge, ohne dass in ihm irgendetwas passiert wäre.

Saldo

Die Differenz zweier Ströme, nicht ihr Umfang.

Ein Wanderungssaldo von 300.000 kann aus 400.000 Zuzügen und 100.000 Fortzügen entstehen oder aus 1,3 Millionen und einer Million. Der Saldo ist derselbe, die beiden Länder haben nichts miteinander zu tun. Wer über Bewegung reden will, braucht beide Zahlen.

Wie man Zahlen liest

Grundgesamtheit

Alle, über die eine Aussage gelten soll. Nicht alle, die befragt wurden.

Die Grundgesamtheit ist die Menge, um die es geht: alle Einwohner, alle Betriebe ab einer bestimmten Größe, alle Studierenden an deutschen Hochschulen. Sie wird vor der Erhebung festgelegt, und sie entscheidet, worüber die fertige Zahl etwas sagt.

Die meisten Missverständnisse über amtliche Zahlen entstehen hier, nicht beim Rechnen. Eine Statistik der Betriebe mit mindestens 3.000 Hennenhaltungsplätzen sagt nichts über Hühner in Deutschland, sondern etwas über einen Teil davon.

repräsentativ

Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit in den Merkmalen ab, auf die es ankommt.

Das Wort ist kein Gütesiegel, sondern eine Behauptung über ein Verfahren, und sie gilt immer nur für bestimmte Merkmale. Eine Stichprobe kann nach Alter und Geschlecht die Bevölkerung abbilden und trotzdem in Einkommen und Bildung schief liegen.

Wer „repräsentativ“ liest, sollte fragen: repräsentativ wofür?

Mittelwert und Median

Der Mittelwert teilt die Summe, der Median teilt die Menge.

Der Mittelwert addiert alles und teilt durch die Anzahl. Der Median ist der Wert in der Mitte: Die eine Hälfte liegt darunter, die andere darüber. Bei Einkommen, Vermögen und Mieten liegen die beiden weit auseinander, weil einige sehr große Werte den Mittelwert nach oben ziehen und den Median nicht bewegen.

Wo das Wort „Durchschnitt“ steht, ist fast immer der Mittelwert gemeint. Er ist die häufigere Zahl, bei schiefen Verteilungen aber die schlechtere.

Quantil, Quartil, Perzentil

Schnitte, die eine geordnete Menge in gleich große Teile zerlegen.

Ein Quartil schneidet in vier Teile, ein Quintil in fünf, ein Perzentil in hundert. Das erste Quintil der Einkommen ist das unterste Fünftel, nicht die untersten zwanzig Euro. Der Median ist selbst ein Quantil, nämlich der Schnitt in der Mitte.

Quantile sagen etwas über die Verteilung, das kein Mittelwert zeigt: ob die Spanne breit oder schmal ist und wo sich etwas bewegt hat.

Beim Lohnwachstum zeigt sich der Unterschied unmittelbar: Nach Einkommensquintilen gerechnet laufen die Fünftel auseinander, während ein Durchschnitt über alle eine gemeinsame Bewegung suggeriert.

Streuung und Standardabweichung

Wie weit die Einzelwerte um ihre Mitte liegen.

Zwei Reihen können denselben Mittelwert haben und völlig verschieden aussehen: einmal liegen alle Werte dicht beieinander, einmal weit auseinander. Die Standardabweichung misst genau diesen Unterschied.

Ohne ein Maß für die Streuung ist ein Mittelwert eine halbe Auskunft.

Verteilung

Wie sich die Fälle über die möglichen Werte verteilen.

Eine Verteilung beantwortet die Frage, die eine einzelne Kennzahl offenlässt: Wie viele liegen wo? Bei Einkommen, Betriebsgrößen und Wohnungsmieten ist sie schief, das heißt, wenige große Werte stehen sehr vielen kleinen gegenüber.

Der Blick auf die Verteilung ist der Grund, warum eine Rangfolge oft mehr sagt als ein Durchschnitt.

Signifikanz

Ein Unterschied, der sich kaum durch Zufall erklären lässt. Nicht: ein wichtiger Unterschied.

Statistisch signifikant heißt, dass ein Unterschied unwahrscheinlich allein aus dem Zufall der Stichprobe entstanden ist. Über seine Größe sagt das Wort nichts. Bei sehr großen Stichproben wird fast jeder noch so winzige Unterschied signifikant.

Im Alltag bedeutet „signifikant“ bedeutsam, in der Statistik nicht. Die beiden Bedeutungen zu verwechseln macht aus einem messbaren Unterschied einen wichtigen.

Korrelation

Zwei Größen bewegen sich gemeinsam. Warum, sagt die Korrelation nicht.

Ein Zusammenhang kann daher rühren, dass das eine das andere verursacht, dass beide von einem Dritten abhängen, oder dass zwei Reihen im selben Zeitraum zufällig in dieselbe Richtung laufen. Je kürzer der Zeitraum und je stärker der allgemeine Trend, desto leichter entsteht das Letzte.

Zwei amtliche Reihen nebeneinanderzulegen erzeugt fast immer eine Korrelation. Sie ist der Anfang einer Frage, nicht ihre Antwort.

Kausalität

Das eine bewirkt das andere. Aus einer Zeitreihe allein folgt das nie.

Um von einer Ursache zu sprechen, braucht es mehr als zwei Kurven: einen Mechanismus, der erklärt, wie das eine auf das andere wirkt, und den Ausschluss der Erklärungen, die ebenso gut passen. Amtliche Statistik liefert die Kurven. Den Rest liefert sie nicht.

Deshalb steht in einer sauberen Einordnung „zeitlich fällt das zusammen mit“ und nicht „das kommt von“.

Ein Beispiel aus dem eigenen Bestand: Die Schülerzahl springt 2022 deutlich nach oben, im selben Jahr, in dem der Krieg in der Ukraine begann. Was sich belegen lässt, ist der zeitliche Zusammenhang. Mehr steht deshalb auch nicht im Text.

Prozent und Prozentpunkte

Von 4 auf 6 Prozent sind zwei Prozentpunkte und fünfzig Prozent.

Steigt eine Quote von vier auf sechs Prozent, ist das ein Anstieg um zwei Prozentpunkte oder um fünfzig Prozent. Beides stimmt, und beides klingt völlig verschieden. Wer die Wörter vertauscht, macht aus einer kleinen Bewegung eine große oder umgekehrt.

Die Regel ist einfach: Der Abstand zweier Prozentzahlen wird in Prozentpunkten gemessen, ihre Veränderung zueinander in Prozent.

Basiseffekt

Ein Ausschlag, der vom Vorjahr kommt und nicht vom aktuellen Jahr.

War das Vorjahr ungewöhnlich niedrig, fällt der Anstieg im Folgejahr groß aus, auch wenn nichts Besonderes passiert ist. Nach 2020 hat dieser Effekt fast jede Prozentangabe im Land verzerrt: Der Vergleich lief gegen ein Jahr, in dem vieles stillstand.

Das Gegenmittel ist der Blick auf das Niveau statt auf die Veränderungsrate.

Rate, Quote, Ziffer

Drei Wörter für einen Anteil, und jedes hat einen anderen Nenner.

Die Arbeitslosenquote bezieht die Arbeitslosen auf die Erwerbspersonen, nicht auf die Bevölkerung. Die Geburtenziffer bezieht die Geburten auf tausend Einwohner oder auf Frauen im gebärfähigen Alter, je nachdem, welche gemeint ist. Wer den Nenner nicht kennt, kennt die Zahl nicht.

Das ist keine Wortklauberei. Zwei Quoten mit verschiedenem Nenner sind nicht vergleichbar, auch wenn beide in Prozent stehen.

gleitender Durchschnitt

Eine geglättete Kurve, die den Verlauf zeigt und den Ausreißer verschluckt.

Statt des Einzelwerts wird der Mittelwert der umliegenden Zeitpunkte gezeichnet, meist über zwölf Monate. Der Verlauf wird dadurch lesbar, und der einzelne Ausschlag verschwindet. Beides ist gewollt, und beides muss dabeistehen.

Eine geglättete Kurve ist keine Messung. Sie ist eine Rechnung über Messungen.

absolute und relative Zahl

Die Anzahl selbst, oder die Anzahl bezogen auf etwas anderes.

Nordrhein-Westfalen hat die meisten Insolvenzen, weil dort die meisten Unternehmen sitzen. Je Unternehmen gerechnet sieht die Rangfolge anders aus. Keine der beiden Zahlen ist die richtige; sie beantworten verschiedene Fragen.

Eine Landkarte ohne Bezugsgröße zeigt meistens nur, wo viele Menschen wohnen.

Wann sie gilt

Stichtag und Berichtszeitraum

Ein Stichtag ist eine Momentaufnahme, ein Berichtszeitraum eine Summe über die Zeit.

Pflegebedürftige zum 31. Dezember sind gezählte Personen an einem einzigen Tag. Sterbefälle 2025 sind alle Fälle des Jahres zusammen. Beide gegeneinander zu rechnen ergibt nichts, und beide zu vermischen ist der häufigste stille Fehler in einem Text über zwei Statistiken.

Berichtsjahr

Das Jahr, über das berichtet wird, nicht das Jahr der Veröffentlichung.

Zwischen beiden liegen je nach Statistik Wochen oder Jahre. Eine Zahl, die im September 2026 erscheint, kann das Berichtsjahr 2023 tragen. Wer sie als aktuell zitiert, ist drei Jahre daneben, ohne dass irgendetwas falsch war.

vorläufig, endgültig, revidiert

Amtliche Zahlen ändern sich nach der Veröffentlichung. Das gehört zum Verfahren.

Erst kommt eine vorläufige Zahl, dann eine endgültige, und Jahre später kann eine Generalrevision die ganze Reihe zurückrechnen. Beim Bruttoinlandsprodukt stieg der Wert für 2025 zwischen zwei unserer Abgleiche von 3.608,763 auf 3.653,988 Milliarden Euro, und die Jahre davor wurden mitkorrigiert.

Wer sich eine Zahl notiert und ein halbes Jahr später zitiert, zitiert möglicherweise etwas, das so nicht mehr gilt.

Fortschreibung

Eine gerechnete Zahl, keine gezählte.

Die Einwohnerzahl Deutschlands wird nicht gezählt. Ausgangspunkt ist der letzte Zensus, dazu kommen Geburten, Sterbefälle, Zuzüge und Fortzüge. Nach jedem Zensus springt die Reihe, weil die Fortschreibung über die Jahre von der gezählten Wirklichkeit abgewichen ist.

Eine fortgeschriebene Zahl ist eine gute Zahl. Sie ist nur keine Zählung.

Zensus

Die Volkszählung, zuletzt 2022.

Der Zensus setzt die Bevölkerungszahl neu, und alles, was auf sie bezogen ist, verschiebt sich mit: jede Quote, jeder Wert je Einwohner, jede Rangfolge der Kreise. Ein Bruch in einer Zeitreihe rund um ein Zensusjahr ist deshalb oft kein Ereignis in der Welt, sondern eine Korrektur am Maßstab.

saisonbereinigt, kalenderbereinigt

Der immer gleiche Jahresrhythmus ist herausgerechnet, damit Monate vergleichbar werden.

Im Bau wird im Februar weniger gearbeitet als im Juni, jedes Jahr. Ein saisonbereinigter Wert entfernt dieses Muster, damit zwei aufeinanderfolgende Monate überhaupt vergleichbar sind. Kalenderbereinigt heißt zusätzlich: unterschiedlich viele Arbeitstage und die Lage der Feiertage sind mitgerechnet.

Der bereinigte Wert ist nicht das, was tatsächlich passiert ist. Er ist das, was passiert wäre, wenn jeder Monat gleich gebaut wäre.

Wie sie entstanden ist

Merkmal und Ausprägung

Ein Merkmal ist die Frage, die eine Tabellenkante stellt. Eine Ausprägung ist eine mögliche Antwort darauf.

GENESIS beschreibt eine Tabelle als Würfel. Das Merkmal heißt etwa „Rechtsform“ oder „Bundesland“, die Ausprägung „GmbH“ oder „Sachsen-Anhalt“. Um eine einzige Zahl zu bekommen, muss man die Tabellennummer kennen, dann jedes Merkmal, dann zu jedem Merkmal die richtige Ausprägung.

Das ist der eigentliche Zugangspreis der amtlichen Statistik. Die Daten sind offen, die Frage danach ist es nicht.

Berichtskreis und Abschneidegrenze

Wer überhaupt gezählt wird, und ab welcher Größe.

Eine Erhebung zur Stromerzeugung erfasst ausschließlich Anlagen ab einem Megawatt. Alles darunter, also die Dachanlagen, fehlt vollständig. Die Zahl ist trotzdem richtig, sie beantwortet nur eine engere Frage, als ihre Überschrift vermuten lässt.

Dieselbe Logik bei den Legehennen: Erfasst sind Betriebe von Unternehmen mit mindestens 3.000 Hennenhaltungsplätzen. Der Hof mit zwanzig Hühnern steht in keiner Statistik.

Eine Reihe zur Stromerzeugung war aus dieser Tabelle bereits gebaut und ist vor der Veröffentlichung wieder verworfen worden. Die Überschrift „Stromerzeugung“ wäre ohne einen langen Warnabsatz nicht zu halten gewesen, und ein Warnabsatz, der die Überschrift zurücknimmt, ist ein Zeichen dafür, dass die Zahl nicht zur Frage passt.

Vollerhebung, Stichprobe, Mikrozensus

Entweder werden alle befragt oder ein Teil, und aus dem Teil wird hochgerechnet.

Der Mikrozensus befragt rund ein Prozent der Haushalte und rechnet auf alle hoch. Für große Gruppen ist das sehr genau, für kleine nicht: Je feiner die Aufgliederung, desto größer die Unsicherheit hinter dem Wert. Deshalb weist das Bundesamt manche Zellen gar nicht aus, obwohl es Befragte darin gibt.

Geheimhaltung, Zufallsüberlagerung

Einzelne Werte werden leicht verändert, damit niemand identifizierbar wird.

Bei Personenstatistiken darf keine Zelle so klein sein, dass sich eine einzelne Person erkennen lässt. Das Bundesamt verändert die betroffenen Werte deshalb geringfügig. Die Folge sieht aus wie ein Rechenfehler: Die Summe der Länder verfehlt die Insgesamt-Zeile, meist um Bruchteile eines Promille.

Wie sie gegliedert ist

Insgesamt

Nicht immer die Summe der Zeilen darunter, und die Zeilen darunter sind nicht immer gleichrangig.

Bei den Insolvenzen nach Rechtsform enthält „Personengesellschaften“ die GbR und die GmbH und Co. KG bereits, und „GmbH“ ist selbst die Summe zweier darunterliegender Kategorien. Wer diese Liste als flache Aufzählung addiert, zählt dieselben Verfahren zwei- und dreimal.

Eine vorhandene Insgesamt-Ausprägung beweist nichts. Sie muss nachgerechnet werden.

darunter, davon, einschließlich, ohne

„darunter“ nennt einen Teil, nicht den Rest. „davon“ zerlegt vollständig. Beides sieht gleich aus.

Steht unter einer Zeile „darunter“, folgt eine Auswahl, die sich nicht zur Zeile darüber aufsummiert. Steht dort „davon“, ist die Zerlegung vollständig. Ein „einschließlich“ in einer Fußnote verschiebt die Grenze der Erhebung, ein „ohne“ ebenso, und beide stehen gern klein unter der Tabelle.

In unserem Bestand steht etwa: Erzeugte Eier einschließlich Bruch-, Knick- und Junghenneneier. Wer diese Zahl mit einer Handelsstatistik vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Eier.

WZ 2008, COICOP, ICD-10

Die Schlüsselverzeichnisse für Wirtschaftszweige, für den Warenkorb und für Todesursachen.

Eine amtliche Rangfolge ist ohne ihre Systematik eine Liste von Codes. WZ 2008 ordnet jeden Betrieb einem Wirtschaftszweig zu, COICOP zerlegt den Warenkorb der Verbraucherpreise, ICD-10 benennt Todesursachen. Die Systematiken werden gelegentlich überarbeitet, und dann bricht die Vergleichbarkeit über den Bruch hinweg.

kreisfreie Stadt und Landkreis

Zwei Gebiete mit demselben Namen, die einander nicht enthalten.

„München, kreisfreie Stadt“ und „München, Landkreis“ sind zwei verschiedene Zeilen. Der Landkreis liegt um die Stadt herum und enthält sie nicht. Wer beide addiert, bekommt eine Region, die niemand so nennt; wer eine von beiden für München hält, bekommt je nach Wahl ein sehr verschiedenes Ergebnis.

In Rangfolgen nach Kreisen stehen die beiden regelmäßig weit auseinander.

Früheres Bundesgebiet, Neue Länder

Werte vor 1991 beziehen sich meist nur auf den Westen.

Lange Reihen reichen weiter zurück als das vereinigte Deutschland. Bis 1990 ist mit Deutschland in vielen Tabellen das frühere Bundesgebiet gemeint, ab 1991 das gesamte Land. Der Sprung an dieser Stelle ist kein wirtschaftliches Ereignis.

„Neue Länder“ schließt Berlin je nach Tabelle ein oder aus, und die Fußnote sagt, welches von beidem gilt.

Erwerbslose und Arbeitslose

Zwei amtliche Zahlen für dieselbe Alltagsfrage, nach zwei Definitionen.

Arbeitslos ist, wer bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet ist. Erwerbslos nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ist, wer keine Arbeit hat, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und sucht, ob gemeldet oder nicht. Die beiden Zahlen weichen deutlich voneinander ab, ohne dass eine falsch wäre.

Woran sie hängt

Tabellennummer (81000-0001)

Fünf Ziffern für die Statistik, vier für die Tabelle darin.

Ohne diese Nummer ist eine Zahl nicht nachprüfbar, mit ihr in zwei Minuten. Die ersten fünf Ziffern benennen die Statistik, hier die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen; die vier danach die einzelne Tabelle.

Datenstand

Datum und Uhrzeit, zu denen die Tabelle abgerufen wurde.

GENESIS gibt die Uhrzeit mit an, weil sich eine Tabelle innerhalb eines Tages ändern kann. In ein Zitat gehört deshalb beides, die Tabellennummer und der Stand. Sonst lässt sich später nicht mehr entscheiden, ob zwei abweichende Zahlen ein Fehler sind oder eine Revision.

Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0

Die Zahlen dürfen weiterverwendet werden, auch gewerblich, wenn die Quelle dabeisteht.

Die Lizenz verlangt die Nennung des Bundesamtes und ist ansonsten großzügig. Sie gilt für die amtlichen Werte, nicht für die Texte und Grafiken, die jemand daraus macht. Was von diesem Portal frei verwendbar ist, steht im Pressebereich und in den Bedingungen.

Häufige Fragen

Was bedeutet „jew. ME“ in einer Tabelle des Statistischen Bundesamtes?

„jew. ME“ steht für „jeweilige Maßeinheit“. Die Einheitenspalte nennt dann keine Einheit, sondern verweist auf eine Fußnote, in der je nach Ausprägung eine andere Einheit gilt, etwa Milliarden Euro für Werte in jeweiligen Preisen und Indexpunkte für die preisbereinigte Fassung.

Warum ist die Zeile „Insgesamt“ nicht immer die Summe der Zeilen darunter?

Weil die Ausprägungen einer Dimension nicht immer gleichrangig sind. Eine Kategorie kann eine andere bereits enthalten, etwa Personengesellschaften die GbR. Wer die Liste flach addiert, zählt dieselben Fälle mehrfach. Die Insgesamt-Zeile muss gegen die Einzelwerte nachgerechnet werden.

Was ist der Unterschied zwischen Arbeitslosen und Erwerbslosen?

Arbeitslos ist, wer bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet ist. Erwerbslos nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ist, wer keine Arbeit hat, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und sucht, unabhängig von einer Meldung. Beide Zahlen sind amtlich und weichen voneinander ab.