In der Prignitz ist mehr als jeder achte Einwohner pflegebedürftig
5.688.473 Menschen galten Ende 2023 als pflegebedürftig, 2,82-mal so viele wie 1999. Ein Teil dieses Anstiegs ist gealterte Bevölkerung, ein Teil ist ein Gesetz von 2017. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Landkreis liegt der Faktor vier.
Am 31. Dezember 2023 galten in Deutschland 5.688.473 Menschen als pflegebedürftig, 68,2 je 1.000 Einwohner und 2,82-mal so viele wie 1999. Ein Teil des Anstiegs ist die gealterte Bevölkerung, ein Teil das Pflegestärkungsgesetz von 2017, das den Begriff der Pflegebedürftigkeit weiter fasste. Regional geht die Quote weit auseinander: 128,4 je 1.000 Einwohner in der Prignitz gegen 31,0 im Landkreis Freising. Quelle: Statistisches Bundesamt, Tabelle 22421-0001.
5.688.473Pflegebedürftige, Pflegebedürftige 2023▲ +14,7 % zu 2021
5.688.473Höchststand 2023▼ −0,0 % bis heute
13Werte in der Reihe, ab 1999
Eine Zahl, die von der Alterspyramide handelt
In der Prignitz, einem Landkreis im Nordwesten Brandenburgs, kommen auf 1.000 Einwohner 128,4 Pflegebedürftige. Im Landkreis Freising, nördlich von München, sind es 31,0. Zwischen den beiden liegt der Faktor vier, und dazwischen liegen 398 weitere Kreise.
Bundesweit galten am 31. Dezember 2023 exakt 5.688.473 Menschen als pflegebedürftig. Das sind 68,2 je 1.000 Einwohner, und es sind 2,82-mal so viele wie 1999, dem ersten Jahr dieser Reihe.
Die Reihe bricht 2017, und sie bricht nicht zufällig
Bis 2015 wuchs die Zahl der Pflegebedürftigen von Erhebung zu Erhebung um zwei bis neun Prozent. Dann sprang sie: 2017 um 19,4 Prozent, 2019 um 20,9, 2021 um 20,2, zuletzt 2023 um 14,7 Prozent.
Der Bruch fällt mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz zusammen, das zum 1. Januar 2017 den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu fasste und die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzte. Menschen mit demenziellen Erkrankungen zählen seither dazu, die vorher durch das Raster fielen.
Wie groß dieser Effekt ist, lässt sich an einer einzelnen Kategorie ablesen. 683.500 Menschen, zwölf Prozent aller Pflegebedürftigen, haben Pflegegrad 1 und beziehen daraus keine oder nur landesrechtliche Leistungen. Diese Gruppe gab es vor 2017 nicht, weil es den Pflegegrad 1 nicht gab.
Ein Teil des Anstiegs ist gealterte Bevölkerung, ein Teil ist eine geänderte Definition. Wer beides zusammenzählt, misst zwei Dinge und nennt sie eins.
Pflegebedürftige in Deutschland, 1999 bis 2023Pflegebedürftige je JahrQuelle: Statistisches Bundesamt, Tabelle 22421-0001, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0
Die Reihe ist damit über 2017 hinweg nicht vergleichbar. Das ist kein Fehler der Statistik, sondern eine Eigenschaft von Sozialrecht: Wer den Anspruch weiter fasst, bekommt mehr Anspruchsberechtigte, ohne dass ein einziger Mensch kränker geworden wäre.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig?
Am 31. Dezember 2023 waren es 5.688.473 Menschen, 68,2 je 1.000 Einwohner. Quelle: Statistisches Bundesamt, Tabelle 22421-0001.
Warum ist die Zahl der Pflegebedürftigen so stark gestiegen?
Zwei Ursachen wirken zusammen: die gealterte Bevölkerung und das Pflegestärkungsgesetz von 2017, das den Begriff der Pflegebedürftigkeit weiter fasst. Seit 1999 hat sich die Zahl auf das 2,82-Fache erhöht.
Wo in Deutschland gibt es die meisten Pflegebedürftigen?
Gemessen je 1.000 Einwohner in der Prignitz mit 128,4. Am unteren Ende steht der Landkreis Freising mit 31,0 — der Faktor vier zwischen beiden folgt vor allem der Altersstruktur.
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