Am 10. September 2026 bestätigte das Statistische Bundesamt die Inflationsrate für August: 2,9 Prozent. Die Zahl stimmt, und für sich genommen sagt sie wenig. Sie sagt nicht, dass Heizöl um fast ein Drittel teurer war als ein Jahr zuvor, während Strom billiger wurde. Sie sagt nicht, dass die Rate im Februar desselben Jahres bei 1,9 Prozent lag. Und sie sagt nicht, wer mit Öl heizt, dass seine eigene Teuerung eine andere ist.
Das zu sagen, ist die Arbeit dieses Portals. Sie hat vier Teile.
Jede Zahl trägt ihren Nachweis
Die Zahlen stammen aus der amtlichen Statistik: dem Statistischen Bundesamt, dem Bundeskriminalamt, dem Kraftfahrt-Bundesamt und dem Robert Koch-Institut. Jede steht mit Tabellennummer, Datenstand und Lizenz auf der Seite, und unter jeder Reihe liegt ein Prüfvermerk, der sagt, welche Prüfung gelaufen ist und was sie gefunden hat. Wer eine Zahl übernimmt, kann sie in wenigen Minuten an der Quelle nachschlagen.
Was sich rechnen lässt, rechnet Code
Ob ein Wert der höchste seit einem bestimmten Jahr ist, seit wie vielen Monaten die Arbeitslosigkeit über dem Vorjahresmonat liegt, ob eine Quote um Prozentpunkte oder um Prozent gestiegen ist: Das entscheidet kein Sprachmodell und kein Bauchgefühl, sondern ein Programm, das bei jedem Aufruf aus den aktuellen Werten rechnet. Deshalb können diese Sätze nicht veralten, wenn neue Zahlen kommen, und sie können nicht aus einer Laune heraus übertreiben.
Wir sagen auch, was eine Zahl nicht hergibt
Unter vielen Reihen steht ein Kasten mit der Überschrift „Was aus diesen Zahlen nicht folgt". Er erscheint nur dort, wo er für genau diese Reihe gilt: dass Steuereinnahmen in Euro nicht um die Teuerung bereinigt sind und wie viel davon real übrig bleibt; dass ein Bestand zum 31. Dezember keine Summe über das Jahr ist; dass bei Insolvenzen der Vergleich mit dem Vormonat vor allem die Jahreszeit misst. In der amtlichen Tabelle stehen solche Sätze nicht. Wer eine Zahl weitergibt, ohne sie zu kennen, gibt ein Missverständnis gleich mit weiter.
Wer eine Zahl weitergibt, ohne sie zu kennen, gibt ein Missverständnis gleich mit weiter.
Ein Mensch schreibt, ordnet ein und steht dafür ein
Die Einordnung, also der Text, der sagt, was eine Zahl bedeutet, entsteht mit Unterstützung eines Sprachmodells und nach festen Regeln: keine Zahl ohne Beleg, keine Wiederholung derselben Aussage, keine Schätzung neben einem amtlichen Wert. Verantwortet wird sie von Christian Gasche, Journalist und Redenschreiber, Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband. Sein Name steht unter jeder Einordnung.
Die Einordnungen stehen auf vier Werten: auf dem Boden des Grundgesetzes, den Werten einer offenen Gesellschaft im Sinn von Karl Popper verpflichtet, meinungsstark, ohne dem Leser eine Deutung abzuverlangen, und der Nachhaltigkeit verpflichtet, die fragt, was eine Zahl für die bedeutet, die nach uns kommen. Die Werte entscheiden nicht, welche Zahl gezeigt wird; gezeigt wird jede, auch die unbequeme.
Wenn wir falsch liegen
Am 13. September 2026 fiel beim Nachrechnen auf, dass eine unserer Mitteilungen den Juni als Tiefpunkt der Inflation 2026 nannte. Der Tiefpunkt lag im Februar. Die Mitteilung ist korrigiert, und der Fehler steht hier, weil eine Korrektur, die niemand sieht, kein Vertrauen schafft. Wer einen Fehler findet, meldet ihn an info@sigmacommunication.de.