Unter der Tabelle mit den genehmigten Wohnungen steht eine Zeile in kleiner Schrift: Ab Berichtsjahr 2012 werden die Sonstigen Wohneinheiten als Wohnungen erfasst. Wer sie überliest, vergleicht ab diesem Punkt zwei Zahlen, die nicht dasselbe zählen, ohne es zu merken.
Eine amtliche Tabelle besteht nicht nur aus Werten. Sie besteht aus mehreren Teilen, die zusammen erst eine Zahl ergeben, die man zitieren kann: dem Wert selbst, der Einheit, dem Zeitpunkt, der Regionalstufe und der Fußnote. Wer nur den Wert liest, hat eine Zahl ohne Bedeutung.
Die Einheit entscheidet, was verglichen wird
2025 wurden in Deutschland 238.063 Wohnungen genehmigt, gut zehn Prozent mehr als 2024 mit 215.289 (Statistisches Bundesamt, Tabelle 31111-0001). Dieselbe Tabelle führt an anderer Stelle denselben Code mit einer anderen Einheit, etwa eine Veränderungsrate in Prozent statt der absoluten Zahl. Wer nur nach dem Code filtert und die Einheit ignoriert, mischt zwei völlig verschiedene Reihen zu einer, die es so nicht gibt. Ein Code allein ist keine Größe. Erst Code und Einheit zusammen sind eindeutig.
Ein Code allein ist keine Größe. Erst Code und Einheit zusammen sind eindeutig.
Der Zeitpunkt ist mehr als das Jahr
Ein Jahreswert wie 2025 wirkt eindeutig, ist es aber nicht immer. Manche Statistiken zählen jährlich, andere nur alle zwei Jahre zu einem Stichtag, wieder andere monatlich oder vierteljährlich. Wer zwei Werte vergleicht, ohne zu prüfen, ob sie für denselben Zeitraum stehen, vergleicht womöglich einen Jahreswert mit einem Quartalswert und wundert sich über einen Sprung, der gar keiner ist.
Ein Stichtag ist kein Durchschnitt
Manche Tabellen melden nicht, was in einem Jahr insgesamt geschah, sondern einen Zustand an einem einzigen Tag. Die Zahl der Haushalte mit Wohngeld etwa wird jeweils zum 31. Dezember erhoben, nicht als Jahresdurchschnitt. Wer einen solchen Stichtagswert mit einer Jahressumme aus einer anderen Statistik addiert oder vergleicht, addiert zwei Größen, die unterschiedliche Dinge messen: einen Zustand an einem Tag und eine Summe über zwölf Monate.
Der Unterschied lässt sich an der Zeitangabe selbst ablesen, wenn man weiß, worauf zu achten ist. Eine Zeitraumstatistik trägt im Zeitpunkt oft nur das Jahr oder den Monat, weil sie fortlaufend zählt, was in diesem Zeitraum passiert ist, etwa jede im Jahr 2025 genehmigte Wohnung. Eine Stichtagsstatistik dagegen bezieht sich auf einen einzelnen Tag, auch wenn in der Tabelle nur das Jahr steht, in dem dieser Tag liegt. Wer eine Reihe über mehrere Jahre baut, sollte deshalb vorher klären, ob hinter jedem Jahreswert eine Summe oder ein Momentaufnahme steckt, denn beide sehen in der Tabelle gleich aus und verhalten sich doch grundlegend anders.
Nicht jede Tabelle geht bis zur Gemeinde
Amtliche Tabellen unterscheiden sich auch darin, wie tief sie regional auflösen. Manche Statistiken liegen nur bundesweit vor, andere bis auf die 16 Bundesländer, wieder andere bis auf Kreis- oder Gemeindeebene, meist dann aber in einer eigenen Datenbank statt in der bundesweiten Tabelle. Wer eine Zahl für den eigenen Landkreis sucht und sie in der bundesweiten Tabelle nicht findet, hat oft nicht zu ungenau gesucht, sondern schlicht die falsche Auflösungsstufe verlangt. Die feinere Ebene existiert dann häufig, nur eben in einer anderen Tabelle mit eigener Nummer, nicht als zusätzliche Spalte derselben.
Die Fußnote ist der Teil der Zahl, der nicht in der Zahl steht
Fußnoten erklären fast immer eines von zwei Dingen: eine Änderung der Erhebungsmethode oder eine Lücke im Gebiet. Die Fußnote zu den Baugenehmigungen gehört zur ersten Sorte. Ab 2012 zählt eine Kategorie, die vorher gesondert geführt wurde, als gewöhnliche Wohnung. Der Sprung, den diese Änderung in der Reihe erzeugt, ist keine Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt, sondern eine Umstellung der Zählweise.
Wer eine Reihe über viele Jahre vergleicht, sollte deshalb an jeder Stelle prüfen, ob eine Fußnote genau dort einen Bruch markiert. Fehlt eine Fußnote an einer Stelle, an der die Zahl trotzdem ungewöhnlich springt, ist das ebenfalls eine Information: Dann steckt hinter dem Sprung tatsächlich ein Ereignis, keine Umstellung.
Originalwert oder bereinigter Wert
Manche Tabellen, vor allem bei monatlichen Wirtschaftsdaten, führen zusätzlich zum eigentlichen Wert eine zweite Spalte: Original- und bereinigte Daten. Der Originalwert zählt genau das, was in diesem Monat gemeldet wurde, mit allem, was der Monat mitbringt, etwa mehr Arbeitstage im März als im Februar oder ein saisonal übliches Weihnachtsgeschäft im Dezember. Der bereinigte Wert rechnet solche wiederkehrenden Effekte heraus, damit ein Monat mit dem nächsten vergleichbar wird, nicht nur mit demselben Monat im Vorjahr.
Wer zwei aufeinanderfolgende Monate vergleicht, um einen Trend zu erkennen, braucht deshalb fast immer die bereinigte Reihe. Wer dagegen wissen will, wie viel im März tatsächlich passiert ist, ohne diese Glättung, braucht den Originalwert. Beide Zahlen stehen in derselben Tabelle nebeneinander und beantworten unterschiedliche Fragen. Wer nicht hinsieht, welche Spalte er zitiert, riskiert eine Schlagzeile über einen Trend, der nur ein gewöhnlicher Kalendereffekt war.
Was die Tabellennummer selbst schon verrät
Jede amtliche Tabelle trägt eine Nummer, meist eine fünfstellige Statistiknummer mit einem angehängten vierstelligen Code, etwa 31111-0001. Die ersten fünf Stellen bezeichnen die Statistik als Ganzes, in diesem Fall die Statistik der Baugenehmigungen. Die vier Stellen nach dem Bindestrich bezeichnen eine von oft mehreren Dutzend Tabellen innerhalb dieser Statistik, jede mit einer eigenen Kombination aus Merkmalen und Regionalstufe. Wer die ersten fünf Stellen kennt, findet mit derselben Statistiknummer und einem Stern oft weitere Tabellen zum selben Thema, etwa mit monatlicher statt jährlicher Zählung oder mit einer feineren Aufschlüsselung nach Gebäudeart.
Die Quelle macht die Zahl nachprüfbar
Wer diese Nummer notiert, kann die Zahl später am selben Ort wiederfinden, auch wenn sich die Internetadresse dorthin geändert hat. Eine Zahl ohne diese Nummer ist eine Behauptung. Eine Zahl mit dieser Nummer ist ein Beleg.
Diese Nachprüfbarkeit ist auch die Grundlage der Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0, unter der das Statistische Bundesamt seine Zahlen veröffentlicht: Wer zitiert, darf frei weiterverwenden, muss aber genau diese Herkunft nennen. Ein Zitat ohne Tabellennummer erfüllt diese Pflicht nicht wirklich, selbst wenn die Zahl richtig übernommen wurde.
Wert, Einheit, Zeitpunkt, Regionalstufe, Fußnote, Quelle: sechs Teile, die zusammen ein Zitat tragen. Fehlt einer davon, fehlt nicht nur ein Detail, sondern die Möglichkeit, die Zahl später an derselben Stelle wiederzufinden.
Wer die vollständige Reihe der genehmigten Wohnungen selbst nachschlagen will, findet dort denselben Wert, dieselbe Fußnote und den vollständigen Verlauf seit 2006.