Wer 2025 seine Einbürgerungsurkunde bekam, war im Durchschnitt 32 Jahre alt und lebte seit zwölf Jahren im Land (Tabelle 12511-0009). Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 333.343 Menschen eingebürgert, so viele wie nie seit Beginn der bundeseinheitlichen Statistik im Jahr 2000 und dreimal so viele wie 2020 (Statistisches Bundesamt, Tabelle 12511-0001). Der Anstieg kam in zwei Wellen mit verschiedenen Menschen: Von 2020 bis 2023 stammten fast neun Zehntel des Zuwachses aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, von 2023 bis 2025 mehr als die Hälfte aus der Türkei, aus Russland und vom Westbalkan.
Die Zahl stieg im fünften Jahr in Folge. Die zweite Welle fällt in die Zeit nach dem 27. Juni 2024, seit dem der Doppelpass allgemein erlaubt ist; für die Türkei und Russland bringt das Statistische Bundesamt beides in Verbindung. Wer noch wartet, zeigt ein anderer Vergleich. Den 5,8 Millionen Ausländern, die Ende 2024 seit mindestens zehn Jahren in Deutschland lebten, standen 136.502 Einbürgerungen von Menschen mit so langem Aufenthalt im Jahr 2025 gegenüber (Tabellen 12521-0006 und 12511-0006).
Vor 2000 zählte die Reihe etwas anderes
Gezählt wird, wer als Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit durch einen Verwaltungsakt erwirbt. Kinder, die durch Geburt Deutsche werden, kommen in der Statistik nicht vor, Spätaussiedler seit dem 1. August 1999 auch nicht mehr: Sie erhalten die Staatsangehörigkeit seitdem ohne Verfahren. Zwischen 1993 und 1999 wurden sie eingebürgert und gezählt, und vor 2000 beruhte die Zählung auf einer abgestimmten Länderstatistik ohne bundeseinheitliches Gesetz, die nach dem Urteil des Amtes „keinen unmittelbaren Anschluss an die heutigen Zahlen“ zulässt (Statistisches Bundesamt, Qualitätsbericht Einbürgerungsstatistiken).
Deshalb steht in der Tabelle für 1995 ein Wert von 313.606, der den heutigen fast erreicht und doch etwas anderes misst. Seit 2000 lag die Zahl nie so hoch wie 2025; der bisherige Höchstwert stammt aus dem Jahr 2024 mit 292.020, der Tiefstwert aus 2008 mit 94.474. Im Mittel der Jahre 2000 bis 2019 wurden 122.269 Menschen im Jahr eingebürgert. Woran man solche Brüche in langen Reihen erkennt, zeigt der Ratgeber zu Zeitreihen und ihren Brüchen.
Zwei kleinere Eigenheiten gehören dazu. Über deutsche Auslandsvertretungen liefen 2025 11.515 Einbürgerungen (Tabelle 12511-0020), alle übrigen über die Behörden der Länder, deren Rangfolge das Dossier Einbürgerungen zeigt; die im Ausland stecken in der Gesamtzahl, aber in keiner Rechnung zur Aufenthaltsdauer. Und die einzelnen Felder der Tabellen sind zum Schutz kleiner Fallzahlen verändert, von 2018 bis 2024 durch Rundung auf fünf, seit 2025 durch ein Zufallsverfahren. Summen über Staatsangehörigkeiten treffen die Gesamtzahl deshalb nicht immer auf die Person genau.
Bis 2023 kam der Zuwachs aus Syrien, dem Irak und Afghanistan
Von 2020 bis 2023 stieg die Zahl der Einbürgerungen um 90.215 auf 200.095. 86,9 Prozent dieses Zuwachses entfielen auf drei Staatsangehörigkeiten: Syrien, Irak und Afghanistan (Tabelle 12511-0002, Stand 2025). Syrien allein trug 68.785 bei. 2020 wurden 6.700 Syrerinnen und Syrer eingebürgert, 2023 waren es 75.485, mehr als ein Drittel aller Einbürgerungen dieses Jahres (37,7 Prozent). Zusammen kamen die drei Länder 2023 auf 46,3 Prozent; der Sachverständigenrat für Integration und Migration nennt das „fast die Hälfte aller Einbürgerungen“ (SVR, Einbürgerungen in Deutschland).
Mit der Herkunft änderte sich die Dauer bis zur Urkunde. 2010 hatten 13,3 Prozent der im Inland Eingebürgerten weniger als acht Jahre in Deutschland gelebt, 2022 waren es 41,2 Prozent (Tabelle 12511-0053). Viele Syrer stellten ihren Antrag, sobald die Fristen es erlaubten, und oft mit verkürzter Frist: 2021 erfolgten nach dem Sachverständigenrat „fast drei Viertel“ ihrer Anspruchseinbürgerungen vorzeitig (SVR-Positionspapier, April 2024).
Bei der Einbürgerung lebten sie im Schnitt 7,4 Jahre (2024) und 7,9 Jahre (2025) in Deutschland. Das Statistische Bundesamt folgert, dass syrische Staatsangehörige „häufig eine Einbürgerung anstreben, sobald sie die formalen Voraussetzungen hierfür erfüllen“ (Pressemitteilung Nr. 186 vom 3. Juni 2026).
2025 wächst die Zahl ohne die Syrer
Danach hätte die Kurve abflachen können. Sie tat das Gegenteil: 2024 stieg die Zahl um 45,9 Prozent, und auch die Syrer erreichten mit 83.185 Einbürgerungen ihren Höchstwert. 2025 stieg die Zahl noch einmal um 14,2 Prozent, während Syrerinnen und Syrer 20,9 Prozent weniger eingebürgert wurden als im Jahr davor.
Die Aufenthaltsdauer zeigt den Wechsel schon 2024. Der Anteil der Eingebürgerten, die weniger als acht Jahre im Land gelebt hatten, fiel von 41,1 auf 29,0 Prozent, der Anteil derer mit 20 Jahren und mehr stieg von 12,9 auf 15,1 Prozent (Tabelle 12511-0053). Der Zuwachs dieser beiden Jahre kommt von anderen Menschen, mit einer anderen Geschichte im Land.