Sonderauswertung 4/2026
·
13.10.2026
Erstes Drittel frei
Aufschub oder Verzicht: Warum in Deutschland weniger Kinder geboren werden
2025 kamen so wenige Kinder zur Welt wie seit 1946 nicht mehr. Unsere Auswertung der amtlichen Tabellen nach Alter der Mutter und Geburtenfolge zeigt: Der Aufschub, der Geburtentiefs lange erklärt hat, ist seit 2021 zum Stillstand gekommen, und die Geburten fehlen in jedem Alter. Was Studien, Befragungen und Gesetze dazu sagen, und was noch niemand wissen kann.
Die zusammengefasste Geburtenziffer lag in Deutschland 2025 bei 1,32 Kindern je Frau, nach 1,61 im Jahr 2021; das durchschnittliche Alter bei der ersten Geburt stieg von 28,8 Jahren im Jahr 2009 auf 30,5 im Jahr 2021 und lag 2025 unverändert bei 30,5 (Statistisches Bundesamt, Tabellen 12612-0009 und 12612-0005, Berechnung statistik-de.de).
Wer 2025 in Deutschland zum ersten Mal Mutter wurde, war im Durchschnitt 30,5 Jahre alt. Im Jahr 2009 waren es 28,8. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt die Erklärung, die seit Jahren für jedes Geburtentief bereitsteht: Die Frauen bekommen ihre Kinder später, die Statistik zählt sie erst einmal nicht, und die Kinder kommen nach. Für die Jahrzehnte bis 2021 stimmt das zum größten Teil. Für die Jahre danach reicht es nicht mehr.
2025 kamen in Deutschland 654.241 Kinder zur Welt, so wenige wie seit 1946 nicht mehr (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilungen Nr. 146 und Nr. 230 von 2026).
Die zusammengefasste Geburtenziffer, die Reihe zur Geburtenrate, lag bei 1,32 Kindern je Frau, nach 1,61 im Jahr 2021 (Tabelle 12612-0009, Stand 13.10.2026). Aufschub allein erklärt diesen Rückgang nicht. Seit 2022 fehlen Geburten in jedem Alter, auch dort, wo früher nachgeholt wurde.
2021 war ein Gipfel, und der Rückgang begann früher
Wer den Rückgang an 2021 misst, misst gegen einen Ausreißer. In diesem Jahr stieg die Ziffer, offenbar auch, weil einige Schwangerschaften vorgezogen wurden; so deutet es die Autorin eines Aufsatzes des Statistischen Bundesamtes (Pötzsch, Wirtschaft und Statistik 4/2025). Dieselbe Analyse stellt fest, dass sich der Rückgang schon ab 2017 abzeichnete. Wir rechnen deshalb zwei Vergleiche, gegen 2021 und gegen 2016, als die Ziffer mit 1,60 fast so hoch lag wie im Gipfeljahr. Gegen 2016 verteilt sich der Rückgang stärker auf die Jüngeren: 59,1 Prozent entfallen auf die Frauen unter 30. Aber auch gegen 2016 liegt 2025 jede Altersgruppe tiefer.
Die Zahl der Frauen wächst, die Geburten je Frau sinken
Die Zahl der Geburten sinkt auch, weil die kleinen Jahrgänge der 1990er-Jahre ins Alter um 30 kommen; das benennt das Statistische Bundesamt selbst. Wir können es nachrechnen. Bei den 30- bis 34-Jährigen gibt es 6,6 Prozent weniger Frauen als 2021, das kostet 20.771 Geburten (eigene Rechnung aus den Tabellen 12612-0005 und 12612-0008, Stand 13.10.2026). Über alle Frauen zwischen 15 und 49 Jahren betrachtet ist die Zahl dagegen um 2,6 Prozent gestiegen, von 16,4 auf 16,8 Millionen. Gegenüber 2021 fehlen 2025 141.302 Geburten von Müttern zwischen 15 und 49 Jahren. Die niedrigeren Ziffern kosten 146.095, die größere Zahl der Frauen bringt 4.793 hinzu. Wie sich das auf die Länder verteilt, zeigt das Dossier zu den Geburten.
Das Alter bei der Geburt steigt seit 2021 nicht mehr
Seit 1990 stieg das Alter der Mütter in jedem Jahrzehnt, von 27,6 Jahren im Jahr 1990 auf 31,4 im Jahr 2021 (aus den altersspezifischen Ziffern gerechnet, nach vollendetem Alter, Tabelle 12612-0008). Beim ersten Kind lag der Durchschnitt 2009 bei 28,8 Jahren und 2021 bei 30,5, im Mittel 1,7 Monate mehr pro Jahr (Tabelle 12612-0005). Danach hört es auf: 30,4 im Jahr 2022, 30,3 im Jahr 2023, 30,4 im Jahr 2024 und 2025 wieder wie 2021. Das Alter, in dem Frauen die meisten Kinder bekommen, wanderte von 27 Jahren 1990 über 29 im Jahr 2000 und 31 im Jahr 2010 auf 32 im Jahr 2021. 2025 lag es wieder bei 32 (Tabelle 12612-0008). Seit 2021 ist das Alter der Mütter nicht weiter gestiegen; 2025 lag es dort, wo es 2021 lag.
Seit 2021 ist das Alter der Mütter nicht weiter gestiegen; 2025 lag es dort, wo es 2021 lag.
Seit 2022 fehlen die Geburten in jedem Alter
Die Geburtenziffer ist die Summe der altersspezifischen Ziffern. Teilt man sie nach Altersgruppen auf, sieht man, wo die Kinder fehlen. Die Tabelle zeigt, wie viel jede Altersgruppe zur Ziffer beiträgt:
| Alter der Mutter | 2016 | 2021 | 2025 |
| 15 bis 24 Jahre | 0,216 | 0,165 | 0,145 |
| 25 bis 29 Jahre | 0,410 | 0,394 | 0,311 |
| 30 bis 34 Jahre | 0,555 | 0,590 | 0,479 |
| 35 bis 39 Jahre | 0,339 | 0,366 | 0,301 |
| 40 bis 49 Jahre | 0,083 | 0,095 | 0,080 |
| zusammen | 1,603 | 1,610 | 1,316 |
Von 2021 bis 2025 sank die Ziffer um 0,29. Davon entfallen 37,5 Prozent auf die 30- bis 34-Jährigen, 28,4 Prozent auf die 25- bis 29-Jährigen und 22,4 Prozent auf die 35- bis 39-Jährigen. Wäre es reiner Aufschub, müssten die Gruppen unter 30 verlieren und die darüber gewinnen. Hier verlieren alle. Das Statistische Bundesamt hält fest, dass die Raten zum ersten Mal seit 1990 auch ab 30 zurückgehen: Die kumulierte Ziffer für 30 bis 49 sank 2022 um 9 Prozent, 2023 um 7 Prozent und 2024 um 2 Prozent. Zwischen 2011 und 2024 sank die kumulierte Ziffer unter 30 um 18 Prozent, ab 30 stieg sie nur um 9 Prozent; das Nachholen fand nach dem Statistischen Bundesamt in deutlich geringerem Umfang statt.
Einzelne Alter zeigen es genauer. Auf 1.000 28-jährige Frauen kamen 2025 70,7 Geburten, 2021 waren es 91,0, ein Rückgang um 22,3 Prozent. Bei den 35-Jährigen ging es von 100,2 auf 83,5 (minus 16,7 Prozent), bei den 40-Jährigen von 36,1 auf 29,1 (minus 19,4 Prozent). In jedem dieser Alter kommen weniger Kinder zur Welt als 2021. Wie sich die Geburtenziffer in Ihrem Bundesland entwickelt hat, beantwortet Statistik antwortet.
Wie viel davon trotzdem Verschiebung ist, die später nachkommt, und wie viel ein Kind, das nie geboren wird? Das lässt sich ausrechnen, zumindest in Grenzen.