Sonderauswertung 3/2026
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15.10.2026
Erstes Drittel frei
Lebensmittelpreise seit 2019: Wen die Teuerung traf und wann
Lebensmittel sind seit 2019 um 39,0 Prozent teurer geworden, die Preise insgesamt um 22,5 Prozent. Unsere Auswertung legt die Kette vom Hof bis zum Laden neben die Löhne im unteren Fünftel und die Regelsätze der Grundsicherung. Das Ergebnis hängt am Jahr: Seit 2022 holen die unteren Löhne und die Regelsätze auf, und 2026 stehen die Lebensmittelpreise fast still.
Die Nahrungsmittelpreise in Deutschland lagen 2025 um 39,0 Prozent über denen von 2019, die Verbraucherpreise insgesamt um 22,5 Prozent (Statistisches Bundesamt, Tabellen 61111-0003 und 61111-0001, Berechnung statistik-de.de).
Ein Korb Lebensmittel, der 2019 hundert Euro kostete, kostete 2025 im Jahresmittel 139 Euro. So rechnet es der Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel: plus 39,0 Prozent gegenüber 2019, während die Preise aller Waren und Dienstleistungen um 22,5 Prozent stiegen (Tabelle 61111-0003, Stand 2025).
Seit 2019 liegen die Lebensmittelpreise deutlich vor den Löhnen insgesamt und vor den Regelsätzen für Erwachsene. Seit 2022 haben die unteren Löhne und die Regelsätze aufgeholt, und 2026 steigen die Lebensmittelpreise kaum noch. Für Jugendliche und für Kinder unter sechs Jahren lag der Regelsatz seit 2019 über den Lebensmittelpreisen, für Schulkinder von sechs bis 13 Jahren darunter. Am härtesten traf es 2022 Familien mit kleinen Einkommen, deren Inflationsrate im Oktober auf 11 Prozent stieg (IMK), und Haushalte in der Grundsicherung, deren Regelsatz in diesem Jahr um 0,76 Prozent stieg.
Wer wenig hat, gibt für Lebensmittel einen größeren Teil aus. Nach einer Rechnung des DIW aus dem Jahr 2022 gibt das untere Fünftel der Haushalte 16,8 Prozent seiner Konsumausgaben für Nahrungsmittel aus, das obere 10,3 Prozent (DIW Berlin, Wochenbericht 28/2022). Zusammen mit dem Wohnen nahmen sie Haushalten mit weniger als 1.300 Euro netto im Monat 2023 im Durchschnitt 64 Prozent ihrer Konsumausgaben, Haushalten ab 5.000 Euro netto 47 Prozent (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 438 vom 9. Dezember 2025).
Am Hof kam die Teuerung in einem Sprung, im Laden in zwei Schritten
Der Preis einer Mahlzeit entsteht auf fünf Stufen, und die amtliche Statistik misst jede einzeln: was der Hof für seine Erzeugnisse bekommt, was er für Dünger, Futter und Diesel zahlt, was die Nahrungsmittelindustrie und der Großhandel verlangen und was im Laden an der Kasse steht. Von 2005 bis 2025 stiegen die Erzeugerpreise der Landwirtschaft um 81,5 Prozent, die der Nahrungsmittelindustrie (einschließlich Futtermitteln) um 80,2, die des Großhandels mit Nahrungsmitteln um 83,1 und die Ladenpreise für Nahrungsmittel um 89,8 Prozent. Was der Hof einkaufen muss, verteuerte sich um 89,1 Prozent. Die Preise insgesamt stiegen um 49,6 Prozent (Tabellen 61211-0001, 61221-0001, 61241-0005, 61281-0003, 61111-0003, Stand 2025).
Über zwanzig Jahre laufen die Stufen fast im Gleichschritt, im einzelnen Jahr aber verschieden schnell. 2022 stiegen die Erzeugerpreise um 31,9 Prozent, die Ladenpreise für Nahrungsmittel um 13,4. Im Jahr darauf legte der Hof um 0,2 Prozent zu, der Laden um 12,4. Von 2021 bis 2025 sind beide fast gleich weit gekommen, 30,6 und 31,8 Prozent. Seit 2022 aber sinken die Erzeugerpreise leicht (minus 1,0 Prozent), während der Großhandel um 16,4 und der Laden um 16,3 Prozent teurer wurden. Dass die Ladenpreise weiter stiegen, während der Hof 2024 leicht nachgab, zeigt der Vergleich, erklärt es aber nicht; ob der Preisschub von 2022 vom Hof kam oder von dem, was der Hof einkaufen musste, zeigen die Indizes nicht. Die lange Reihe der Erzeugerpreise steht im Dossier Agrarpreise 2026.
Was der Handel verdient, sagt kein Preisindex
Ein Index zeigt, wer schneller gestiegen ist, nicht, wer wie viel vom Euro behält. Drei Häuser haben nachgesehen, mit verschiedenen Daten und zu verschiedenen Schlüssen. Das Thünen-Institut findet die Nettomargen von Ernährungswirtschaft, Groß- und Einzelhandel „meist bei unter fünf Prozent" (Monitoring) und schreibt, wenig spreche dafür, dass Ernährungswirtschaft oder Einzelhandel die Entwicklung „in signifikantem Ausmaß steuern könnten" (Steckbrief 2025). Hinweise auf eine Verschiebung der Preisaufschläge von der Landwirtschaft zu Herstellern und Handel seit 2007 sieht die Monopolkommission (Sondergutachten 84); das Thünen-Institut hält diesen Schluss in einer Einordnung vom 20. Januar 2026 für nicht gedeckt. Niedrig einstellig, seit 2022 rückläufig, aber noch über dem Stand vor Corona: So nennt das Bundeskartellamt die Margen der vier großen Händler, die 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der Umsätze auf sich vereinten (Pressemitteilung vom 28. September 2026).
Die Zahlen auf dem Kassenzettel sagen darüber nichts. Sie sagen nur, wie viel mehr der Einkauf kostete. Um wie viel die unteren Löhne und die Regelsätze zurücklagen und wie schnell sie aufholten, zeigt erst der Vergleich Jahr für Jahr.