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Sonderauswertung 1/2026 30.9.2026 Erstes Drittel frei

Ohne Schulabschluss: woher der Anstieg kommt und was er kostet

So viele Jugendliche wie nie seit 2010 verlassen die Schule ohne Ersten Schulabschluss. Unsere Auswertung der amtlichen Tabellen zeigt, in welchen Schulen der Zuwachs entsteht, und die Studienlage, was danach folgt: meist auch kein Berufsabschluss, damit ein fast sechsmal so hohes Risiko, arbeitslos zu werden, und Folgekosten, die seit 15 Jahren niemand neu gerechnet hat.

Im Schuljahr 2024/25 verließen in Deutschland 64.935 Jugendliche eine allgemeinbildende Schule ohne Ersten Schulabschluss; vom Zuwachs seit 2019/20 entfielen 75,7 Prozent auf Schularten mit mehreren Bildungsgängen und 10,8 Prozent auf Förderschulen (Statistisches Bundesamt, Tabelle 21111-0004, Stand 30.09.2026, Berechnung statistik-de.de).

Ein Abgangszeugnis sieht aus wie ein Abschlusszeugnis. Dasselbe Papier, dieselben Fächer, Noten, Stempel und die Unterschrift der Schulleitung. Es fehlt nur eine Zeile, der Vermerk über den erreichten Abschluss.

Im Schuljahr 2024/25 bekamen 64.935 Jugendliche ein solches Zeugnis, so viele wie nie, seit die Reihe zu den Schulabgängern ohne Abschluss 2010 beginnt (Tabelle 21111-0004, Stand 30.09.2026). Woher der Anstieg kommt, lässt sich aus den amtlichen Tabellen ausrechnen: Gut drei Viertel des Zuwachses seit 2019/20 entfallen auf Schulen mit mehreren Bildungsgängen, gut ein Zehntel auf die Förderschulen. Was er kostet, hat für diese Gruppe seit 2011 niemand neu gerechnet. Messen lässt sich, was danach geschieht: Wer ohne Schulabschluss bleibt, bleibt meist auch ohne Berufsabschluss, und ohne Berufsabschluss lag die Arbeitslosenquote 2025 bei 21,3 Prozent.

Der Tiefpunkt fällt auf den ersten Abschlussjahrgang der Pandemie

Gezählt wird, wer eine allgemeinbildende Schule verlässt, ohne wenigstens den Ersten Schulabschluss erreicht zu haben, den früheren Hauptschulabschluss, und nicht auf eine andere allgemeinbildende Schule wechselt. So definiert es der Qualitätsbericht des Statistischen Bundesamtes. Wer später an einer Berufsschule einen Abschluss nachholt, bleibt in dieser Zahl stehen; sie hält den Tag des Abgangs fest, keinen Lebensweg.

Die Reihe beginnt im Schuljahr 2010/11 mit 49.560 Abgängern ohne Abschluss. Sie bewegte sich danach wenig, stieg ab 2015/16 an und fiel dann in einem einzigen Jahr um knapp 15 Prozent, auf 45.072 im Schuljahr 2019/20. Das ist der Jahrgang, der im Sommer 2020 abging, nach den ersten Schulschließungen. Ob erleichterte Prüfungen dahinterstehen, zeigt die Tabelle nicht, und wir haben keine Quelle gefunden, die es belegt. Seitdem ist die Zahl in jedem Jahr gestiegen, um zusammen 19.863.

Wie viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss?
0 20k 40k 60k 80k 2010: 49.560 Abgänger 2011: 47.648 Abgänger 2012: 46.295 Abgänger 2013: 46.950 Abgänger 2014: 47.435 Abgänger 2015: 49.193 Abgänger 2016: 52.680 Abgänger 2017: 53.598 Abgänger 2018: 52.833 Abgänger 2019: 45.072 Abgänger 2020: 47.490 Abgänger 2021: 52.262 Abgänger 2022: 55.708 Abgänger 2023: 62.036 Abgänger 2024: 64.935 Abgänger64.935 2010/11 2012/13 2014/15 2016/17 2018/19 2020/21 2022/23 2024/25 Statistisches Bundesamt, Tabelle 21111-0004 © statistik-de.de

Das Tabellenjahr ist ein Schuljahr

In der amtlichen Datenbank GENESIS steht der jüngste Wert unter 2024. Gemeint ist das Schuljahr 2024/25, und wer darin ohne Abschluss abgeht, verlässt die Schule im Sommer 2025. Nachprüfen lässt sich das am Statistischen Bundesamt selbst: Für das Abgangsjahr 2024 meldet es 258.300 Absolvierende mit Allgemeiner Hochschulreife (Pressemitteilung vom August 2026), und genau diese Zahl steht in der Datenbank beim Tabellenjahr 2023. Warum solche Beschriftungen einen Vergleich verschieben können, erklärt der Ratgeber wie man eine amtliche Statistik-Tabelle richtig liest.

Das Schuljahr 2024/25 hat eine zweite Eigenheit. In Bayern machten im Sommer 2025 nur 5.995 junge Menschen Abitur, ein Jahr zuvor waren es 33.648 (Tabelle 21111-0013, abgerufen am 30.09.2026). Das ist die Lücke, die die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium hinterlässt. Rund 27.650 Abiturienten fehlen damit im Nenner, und der Anteil der Abgänger ohne Abschluss an allen, die eine allgemeinbildende Schule verließen, steigt bundesweit auf 8,4 Prozent. Ein Teil dieses Sprungs kommt allein aus dem kleineren Nenner. Ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 7,8 Prozent, 2019/20 bei 6,0 Prozent. Wer die Entwicklung sauber messen will, braucht eine Quote, die das Gymnasium herauslässt.

Die Förderschulen erklären den Bestand, aber nicht den Anstieg

24.340 der Abgänger ohne Abschluss kamen 2024/25 von einer Förderschule, 37,5 Prozent. Im Schuljahr 2010/11 waren es noch 57,9 Prozent. Dass die Förderschulen überhaupt einen so großen Teil stellen, liegt an einer Zählregel: Wer dort einen Abschluss erwirbt, der auf einen Förderschwerpunkt zugeschnitten ist, zählt amtlich als Abgänger ohne Abschluss, darauf weist der Bildungsbericht 2026 ausdrücklich hin. Ein Teil der Zahl misst also Schulrecht, nicht Scheitern.

An den Förderschulen selbst hat sich in 15 Jahren wenig bewegt. Rund drei Viertel ihrer Abgänger gehen ohne Ersten Schulabschluss, 2010/11 waren es 74,5 Prozent, 2024/25 sind es 74,6 Prozent. Von den 19.863 zusätzlichen Abgängern seit 2019/20 stammen 2.146 aus Förderschulen, knapp elf Prozent. Zum selben Ergebnis kam schon der Bildungsbericht 2024: Die Abgangsquote der Förderschulen stagniere seit 2017 bei etwa drei Prozent, die Zunahme gehe auf die übrigen Schularten zurück.

Ein Teil der Zahl misst also Schulrecht, nicht Scheitern.

Der Zuwachs sitzt in den Schulen mit mehreren Bildungsgängen

Unter diesem Sammelbegriff führt die Statistik die Schulformen, an denen mehr als ein Abschluss möglich ist, je nach Land etwa Gesamt-, Gemeinschafts-, Ober- oder Sekundarschulen. Bei Schularten mit zwei Bildungsgängen stieg die Zahl der Abgänger ohne Abschluss von 5.430 im Schuljahr 2019/20 auf 13.417, bei Schularten mit drei Bildungsgängen von 8.778 auf 15.837. Zusammen sind das 15.046 Jugendliche mehr, 75,7 Prozent des gesamten Zuwachses (berechnet aus Tabelle 21111-0004). Aus den Realschulen kamen 2.228 hinzu, aus den neunjährigen Gymnasien 1.518, eine kleine Zahl, die dort aber von 78 auf 1.596 gestiegen ist. Die Hauptschulen verzeichnen 779 weniger.

Wie sich die Schülerzahl insgesamt entwickelt hat, wie viele Kinder eingeschult werden und was die öffentliche Hand je Schüler ausgibt, führt das Dossier Schule zusammen. Die Aufteilung der Abgänger nach Schularten, die hier gerechnet ist, steht dort nicht.

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Bis hierher reicht der freie Teil. Die ganze Sonderauswertung 1/2026 hat 13 Seiten und beantwortet außerdem:

  • Umbenannte Schulformen erklären es nicht
  • Kein Land ist ausgenommen
  • Wer die Jugendlichen sind, sagt die Tabelle nur halb
  • Ohne Schulabschluss bleibt meist auch der Berufsabschluss aus
  • Ohne Berufsabschluss fast sechsmal so oft arbeitslos
  • Ein Ausbildungsmarkt, auf dem beide Seiten warten
  • Was ein fehlender Abschluss kostet, ist schlecht vermessen
  • Die Billionen-Rechnungen stehen auf einem umstrittenen Modell
  • Die Rechnung, die fehlt
  • 4 eigene Grafiken, eine Methodenseite, das Quellenverzeichnis mit allen Verweisen und ein Zitiervorschlag
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