Krankenhausbetten pro Einwohner: der niedrigste Stand seit 1991
Deutschland hat heute fast ein Drittel weniger Krankenhausbetten je Einwohner als Anfang der Neunziger. Die Häuser sind dabei im Schnitt kaum kleiner geworden, und ein aufgestelltes Bett ist noch kein belegtes.
In Deutschland kamen 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 566 Krankenhausbetten auf 100.000 Einwohner, der niedrigste Wert seit Beginn der Reihe 1991 (Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026).
Rechnerisch teilten sich 1991 in Deutschland rund 120 Menschen ein Krankenhausbett. 2024 waren es knapp 177. Die Zahl dahinter: 2024 kamen 566 Krankenhausbetten auf 100.000 Einwohner, also 5,66 je 1.000 Einwohner, so wenige wie nie, seit die Reihe zur Bettendichte 1991 beginnt (Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026).
Weniger Betten, mehr Einwohner: warum die Bettendichte schneller fällt
1991 lag die Bettendichte bei 832 Betten je 100.000 Einwohner. Bis 2024 fiel sie um 32,0 Prozent. Die Zahl der Betten selbst sank im selben Zeitraum von 665.565 auf 472.851, das sind 192.714 Betten weniger. Gezählt werden die aufgestellten Betten der Krankenhäuser, als Angabe für das ganze Kalenderjahr und nicht zum Stichtag. Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen führt das Statistische Bundesamt in einer eigenen Erhebung, der Statistik 23112; ihre Betten stecken in dieser Zahl nicht. Alle Jahreswerte stehen in der Reihe Krankenhausbetten (Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026).
Wie viele Krankenhausbetten kommen auf 100.000 Einwohner?
Dass die Dichte stärker fällt als die Bettenzahl, liegt am Nenner: Die Bettenzahl selbst sank um 29,0 Prozent, die Bevölkerung ist seit 1991 gewachsen, dieselbe Zahl Betten verteilt sich also auf mehr Menschen. Der Abbau lief auch nicht in einem Zug. Von 2019 bis 2024 ist die Bettenzahl jedes Jahr gesunken, sechsmal in Folge, zuletzt um knapp 0,9 Prozent gegenüber 2023.
2022 stieg die Dichte, obwohl Betten wegfielen
Eine Stelle passt nicht ins Bild. 2022 sank die Zahl der Betten gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent, von 483.606 auf 480.382, und trotzdem stieg die Bettendichte von 581 auf 582 je 100.000 Einwohner. Rechnerisch geht das nur, wenn der Nenner kleiner geworden ist. Teilt man die Betten durch die Dichte, ergeben sich für 2021 rund 83,2 Millionen Einwohner, für 2022 rund 82,5 Millionen und für 2023 wieder rund 83,2 Millionen. Die Rundung der Dichte auf ganze Betten erklärt diesen Abstand nicht. Ob in diesem einen Jahr eine andere Bevölkerungsgrundlage verwendet wurde oder ein Übertragungsfehler vorliegt, konnten wir trotz Nachrechnens nicht klären. Am langen Trend ändert es nichts; wer genau 2021 und 2022 vergleicht, sollte es wissen. Wie man solche Brüche findet, bevor sie einen Vergleich verfälschen, beschreibt der Ratgeber wie man lange Zeitreihen findet und Brüche erkennt.
Weniger Häuser, aber im Schnitt gleich groß
Auch die Zahl der Häuser schrumpfte. 2.325 Krankenhäuser zählte das Statistische Bundesamt 1995, 2024 waren es 1.841, also 484 oder 20,8 Prozent weniger; die Jahreswerte führt die Reihe Krankenhäuser in Deutschland (Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026). Der Rückgang lief mit drei Ausnahmen durch: 1998, 2009 und 2022 zählte die Statistik jeweils mehr Häuser als im Jahr davor, 2022 mit 1.893 sechs mehr als 2021. Die Zahl der Betten sank zwischen 1995 und 2024 um 22,4 Prozent, von 609.123 auf 472.851.
Teilt man die Betten durch die Häuser, kommt eine Zahl heraus, die sich kaum bewegt hat (berechnet aus Tabelle 23111-0001). 1995 hatte ein Krankenhaus im Durchschnitt 262 Betten, 2024 waren es 257. Die Häuser sind im Mittel also weder spürbar kleiner noch größer geworden. Wer erwartet, dass mit dem Abbau vor allem kleine Häuser verschwinden und die großen dafür wachsen, findet das im Durchschnitt nicht wieder.
1995 hatte ein Krankenhaus im Durchschnitt 262 Betten, 2024 waren es 257.
Ein Durchschnitt kann allerdings verdecken, was darunter geschieht. Schließen kleine Häuser und wachsen große im gleichen Maß, bleibt er ebenfalls stehen. Wie sich die Krankenhäuser nach ihrer Größe verteilen, zeigt diese Reihe nicht; sie zählt Häuser und Betten, keine Größenklassen.
Ein aufgestelltes Bett ist noch kein belegtes
Die Bettenzahl misst, was bereitsteht. Wie viel davon im Jahresschnitt tatsächlich belegt ist, sagt eine andere Kennzahl aus derselben Erhebung, die Bettenauslastung. Ihr Verlauf seit 1995 steht zusammen mit den häufigsten Diagnosen im Dossier Krankenhausversorgung. Erst mit der Auslastung lässt sich fragen, ob die bereitgestellten Betten auch gebraucht werden.
Belegbar ist ein Bett außerdem nur, wenn Pflegekräfte und Ärztinnen dafür da sind. Eine Kennzahl „Personal je Bett“ lässt sich aus diesen beiden Reihen nicht bilden. Die Reihe Beschäftigte im Gesundheitswesen zählt alle Beschäftigten der Branche, von der Krankenhausärztin bis zum Apothekenpersonal. Wer diese Zahl durch die Krankenhausbetten teilt, bekommt ein Ergebnis, das nach Präzision aussieht und keine hat.
Darin liegt der Grund, warum die Bettenzahl allein kein Urteil über die Versorgung trägt. Ein Bett ohne Pflegekraft steht im Zimmer und in der Statistik, aber es behandelt niemanden.
Ein Bett ohne Pflegekraft steht im Zimmer und in der Statistik, aber es behandelt niemanden.
Krankenhauskosten rechnet die Statistik je Behandlungsfall
Auch die Frage nach dem Geld beantwortet die Bettenzahl nicht. 2024 kostete ein Behandlungsfall in deutschen Krankenhäusern bereinigt 7.316 Euro (Tabelle 23121-0001, Stand 30.08.2026). Die Statistik rechnet je Fall, nicht je Bett: Ein Haus mit weniger Betten kann mehr Fälle behandeln, wenn die Patienten kürzer bleiben. Wie sich dieser Betrag seit 1995 entwickelt hat und in welchem Jahr er am stärksten sprang, steht im selben Dossier wie die Auslastung.
Wie hoch die Kosten je Fall in einem bestimmten früheren Jahr lagen oder wie viele Patienten mit einer bestimmten Diagnose entlassen wurden, lässt sich direkt am Bestand fragen, bei Statistik antwortet.
Krankenhausbetten im Europa-Vergleich: Eurostat zählt anders
Wer die deutsche Bettendichte neben die anderer EU-Staaten legen will, landet bei Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union. Dessen Datensatz „Krankenhausbetten nach Funktion und Art der Versorgung“ weist die Betten der Mitgliedstaaten auch je 100.000 Einwohner aus, in derselben Einheit wie die deutsche Reihe (Eurostat, Datensatz hlth_rs_bds1).
Dieselbe Einheit heißt noch nicht dieselbe Zählung. Die deutsche Zahl lässt die Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen weg, Eurostat nennt unter den Krankenhausbetten ausdrücklich auch Betten der Rehabilitation (Eurostat, Erläuterungen zu den Gesundheitsdaten). Für Deutschland selbst weist der europäische Datensatz einen deutlich höheren Wert aus als die Reihe des Statistischen Bundesamtes. Wer den deutschen Wert aus dieser Reihe neben die Eurostat-Werte anderer Länder stellt, vergleicht also zwei Abgrenzungen. Tragfähig wird der Vergleich erst, wenn alle Länder aus demselben Datensatz kommen, Deutschland eingeschlossen, und aus demselben Jahr; die deutsche Reihe reicht bis 2024.
Was die Bundeszahl offenlässt
Die Reihe beantwortet eine Frage genau: wie viele Betten bundesweit je Einwohner bereitstehen und wie sich das seit 1991 verändert hat. Sie sagt nicht, wo im Land die Betten stehen, wie lange jemand auf eine Operation wartet oder wie weit der Weg ins nächste Haus ist. Eine Region mit vielen Betten kann schlecht erreichbar sein, eine mit wenigen gut versorgt, wenn ihre Häuser ausgelastet und besetzt sind. Wer wissen will, ob in der eigenen Umgebung genug Betten stehen, beginnt mit der Bundeszahl und braucht danach Angaben zu Standorten und Wegen, die diese Statistik nicht erhebt.
Ob die Bettenzahl 2025 zum siebten Mal in Folge sinkt, steht fest, sobald das Statistische Bundesamt die nächsten Grunddaten der Krankenhäuser veröffentlicht.
Wie viele aufgestellte Krankenhausbetten gab es 2024?
2024 standen in deutschen Krankenhäusern im Jahresmittel 472.851 aufgestellte Betten, ohne Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen. Das ist der niedrigste Wert seit 1991 (Statistisches Bundesamt, Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026).
Wie rechnet man 566 Betten je 100.000 Einwohner in Betten je 1.000 um?
2024 waren es 5,66 Betten je 1.000 Einwohner, in der amtlichen Einheit 566 Betten je 100.000 Einwohner. 1991 lag der Wert bei 832 je 100.000 (Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026).
Hat Deutschland mehr Krankenhausbetten pro Einwohner als andere europäische Länder?
Eine Rangfolge der Länder führt statistik-de.de nicht. Die amtliche europäische Quelle ist Eurostat mit dem Datensatz „Krankenhausbetten nach Funktion und Art der Versorgung“ (hlth_rs_bds1), der die Betten auch je 100.000 Einwohner ausweist. Beim Vergleich mit der deutschen Reihe sind Berichtsjahr und Abgrenzung zu prüfen: Die deutsche Zahl zählt Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen nicht mit.
Warum sinkt die Zahl der Krankenhausbetten?
Die Gründe stehen nicht in der Statistik, sie zeigt den Verlauf: Von 1991 bis 2024 sank die Bettenzahl von 665.565 auf 472.851, seit 2019 sechsmal in Folge. Die Zahl der Krankenhäuser fiel von 1995 bis 2024 um 20,8 Prozent, die der Betten um 22,4 Prozent; ein Haus hatte damit 1995 im Durchschnitt 262 Betten und 2024 257 (Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026).
Sinkt mit den Betten auch die Zahl der Krankenhäuser?
2024 zählte das Statistische Bundesamt 1.841 Krankenhäuser, 484 weniger als 1995 (Tabelle 23111-0001, Stand 09.09.2026).