statistik-de.de Amtliche Zahlen, unabhängig aufbereitet
Sonderauswertung 6/2026 29.10.2026 Erstes Drittel frei

Pflegekräfte aus dem Ausland: Wer Deutschland pflegt, in Ost und West

Fast jede fünfte Pflegekraft in Deutschland hat keinen deutschen Pass, in den ostdeutschen Flächenländern nur jede vierzehnte; unter den Klinikärzten ist es in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wie im ganzen Land etwa jeder vierte. Unsere Auswertung aller Länder seit 2013, dazu die Krankenhäuser seit 1991.

Am 30. Juni 2025 hatten in Deutschland 359.604 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege keine deutsche Staatsangehörigkeit, 18,9 Prozent, nach 5,3 Prozent im Jahr 2013 (Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigte nach Berufen, Berechnung statistik-de.de).

Im Mai 1978 hatte die Bundesregierung auf eine einfache Frage keine eigene Zahl. Wie viele Krankenschwestern aus Asien in westdeutschen Krankenhäusern arbeiteten, werde „in den amtlichen Statistiken nicht gesondert erfaßt“, antwortete sie dem Bundestag; die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzte etwa 5.600 aus Korea, 2.500 von den Philippinen und 2.000 aus Indien (Bundestag, Drucksache 8/1783). Heute zählt die Bundesagentur für Arbeit, nach Beruf, Land und Pass. Am 30. Juni 2025 hatten 359.604 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege keine deutsche Staatsangehörigkeit, 18,9 Prozent, nach 5,3 Prozent im Jahr 2013 (Bundesagentur für Arbeit, Beschäftigte nach Berufen, eigene Auswertung).

Gleich verteilt sind sie nicht. In Westdeutschland liegt der Anteil bei 21,0 Prozent, in den fünf ostdeutschen Flächenländern bei 7,1; am höchsten ist er in Baden-Württemberg mit 27,5 Prozent, am niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern mit 4,8. Der Abstand ist größer als der zwischen den Arbeitsmärkten. Unter allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hatten im Juni 2025 im Westen 17,5 Prozent keinen deutschen Pass, in den ostdeutschen Flächenländern 9,8 Prozent (Bundesagentur für Arbeit, alle Berufe). Im Westen liegt die Pflege über diesem Wert, im Osten darunter.

Bei den Ärzten sieht es anders aus. Bundesweit waren Ende 2025 nach der Bundesärztekammer 71.480 Ärztinnen und Ärzte ohne deutsche Staatsangehörigkeit tätig, 16 Prozent aller berufstätigen; die meisten kamen aus Syrien (7.959), Rumänien (4.617) und der Türkei (3.532) (Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2025). In den Krankenhäusern ist ihr Anteil höher: 2023 waren es nach der Kammerstatistik mehr als 50.800, etwa ein Viertel aller Krankenhausärzte (Deutsches Krankenhausinstitut, Factsheet Internationale Talente).

Die Statistik zählt den Pass und unterschätzt die Einwanderung

Die Bundesagentur zählt jedes Jahr zum 30. Juni die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort, nach Beruf und Staatsangehörigkeit, in Heften für jedes Land, die bis 2013 zurückreichen. Gezählt ist hier die Pflege als Summe zweier Berufsgruppen der Klassifikation der Berufe: Gesundheits- und Krankenpflege mit Rettungsdienst und Geburtshilfe sowie Altenpflege. Seit 2020 beginnen beide Ausbildungen nach dem Pflegeberufegesetz gemeinsam, und nach dem Hinweis der Bundesagentur in ihren Heften lässt sich seitdem „nicht mehr trennscharf“ zwischen den beiden Berufen unterscheiden; sie empfiehlt, beide „gemeinsam zu betrachten“.

Wer eingebürgert ist, zählt als Deutscher, deshalb liegt die Ausländerzahl unter der Zahl der Eingewanderten; wer selbständig oder verbeamtet ist, fehlt in dieser Statistik ohnehin. Wie groß der Abstand ist, deutet der Mikrozensus an, der nach der Einwanderung fragt und alle Erwerbstätigen zählt. 27,0 Prozent der Erwerbstätigen in der Kranken- und Altenpflege waren 2025 selbst eingewandert, über alle Berufe 21,6 Prozent; mit den Kindern zweier eingewanderter Eltern hatten in der Pflege 31,6 Prozent eine Einwanderungsgeschichte (Statistisches Bundesamt, Statistischer Bericht „Bevölkerung nach Einwanderungsgeschichte“, Tabelle 12211-52). Nach Ländern weist der Mikrozensus das nicht aus, für den Vergleich von Ost und West bleibt deshalb der Pass, mit dem Vorbehalt, dass er die Eingebürgerten nicht kennt.

Seit 2021 tragen Beschäftigte ohne deutschen Pass den ganzen Zuwachs der Pflege

Von 2013 bis 2025 wuchs die Zahl der Beschäftigten in beiden Pflegeberufen um 476.422. 59,5 Prozent dieses Zuwachses entfielen auf Beschäftigte ohne deutschen Pass, im Westen 65,0 Prozent. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung schreibt, das Wachstum seit 2013 habe „nur mit Hilfe der ausländischen Pflegekräfte gelingen“ können (IAB-Forschungsbericht 22/2024).

Seit 2021 gilt das bundesweit ohne Einschränkung. Im Juni 2021 erreichte die Zahl der deutschen Beschäftigten in der Pflege mit 1.558.413 ihren höchsten Stand, 2025 lag sie um 14.081 darunter, und im selben Zeitraum kamen 136.828 Beschäftigte ohne deutschen Pass hinzu. Die Pflege wuchs weiter, aber nur noch durch Beschäftigte ohne deutschen Pass.

Die Pflege wuchs weiter, aber nur noch durch Beschäftigte ohne deutschen Pass.

Im Osten gilt dieser Satz nur zur Hälfte. Dort wuchs auch die Zahl der Deutschen in der Pflege nach 2021 weiter.

Weiter im PDF

9,00 €

Bis hierher reicht der freie Teil. Die ganze Sonderauswertung 6/2026 hat 13 Seiten und beantwortet außerdem:

  • In Mecklenburg-Vorpommern pflegen fast nur Deutsche
  • Bei den Ärzten liegt der Osten gleichauf mit dem Westen
  • Die Krankenhäuser haben doppelt so viele Ärzte wie 1991 und weniger Betten
  • Im ganzen Gesundheitswesen hat sich der Anteil seit 2015 mehr als verdoppelt
  • In den Siebzigern warb die Krankenhausgesellschaft in Asien an
  • Der Zugang ist geöffnet, die Pflegereform regelt das Geld
  • Was niemand gemessen hat
  • 6 eigene Grafiken, eine Methodenseite, das Quellenverzeichnis mit allen Verweisen und ein Zitiervorschlag
Das Guthaben reicht nicht. Bitte zuerst aufladen.
Guthaben aufladen, dann kostet jeder Abruf einen Klick

Kein Abonnement, keine Kündigungsfrist. Der Betrag wird vom Guthaben abgebucht, und das PDF bleibt in Ihrem Konto abrufbar.

Alle Sonderauswertungen im Überblick